Ein Anruf, der alles veränderte

Donnerstag der 25. Oktober 1962. Gegen 17.20 Uhr klingelte das Telefon. Am Apparat war Herr Jagusch von der Firma Waffen-Frankonia. Er teilte mir mit, dass seine Firma bereit wäre, mir für die neu konzipierte Bockbüchsflinte in Kaliber 16/70, .222 Remington einen Auftrag über vierhundert Stück zu erteilen! Bedingung sei, dass Frankonia den Alleinverkauf bekomme. Die Lieferung und Finanzierung der Läufe sowie den staatlichen Beschuss würden sie übernehmen. Details und Preise müssten noch geklärt werden.
Nachdem sich monatelang nichts bewegt hatte, was meine Neuentwicklung betraf, ver­setzte mich dieses Angebot fast in einen Schock­zustand. Nur so kann ich mir erklären, dass ich ohne weitere Überlegungen dem Vorschlag spontan zustimmte. Erst nachdem ich den Hörer aufgelegt hatte, wurde mir langsam bewusst, was die Annahme des Auftrages bedeutete: Bisher hatte ich versucht, die Konstruktion bei einer Jagdwaffenfabrik zum Lizenzbau unter­zu­bringen. Diese Zusage hatte mich jetzt unge­wollt selbst zum professionellen Hersteller gemacht! Dafür jedoch war die inzwischen im Rohbau fertiggestellte Büchsenmacher­werk­statt am Ziegelstadel, die für maximal drei Mitarbeiter ausgelegt war, viel zu klein. Woher sollte ich das Kapital für zusätzliche Maschinen nehmen? Wie sollte ich mit einem Auszubildenden einen Auftrag über rund 200.000 DM bewältigen? Diese Fragen schwirrten durch meinen Kopf und suchten nach Antworten.
Etwa zwanzig Minuten waren seit dem Anruf aus Würzburg vergangen, als erneut das Telefon klingelte. Ein Herr von der Firma Sauer (…)