Im Krieg

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... Und schließlich kam der Krieg auch ganz direkt zu uns: Am 18. Juli 1944 fand im Raum Isny eine große Luftschlacht statt. Ein Geschwader amerikanischer B-17-Bomber flog einen Angriff auf den Militärflugplatz in Memmingen. Ich stand im Garten unseres Hauses und hatte freien Blick auf die Bergkette Adelegg: Drei deutsche Abfangjäger vom Typ »Me 109« flogen in niedriger Höhe unterhalb des Bergrückens der Adelegg und warteten, verdeckt von den Bergen, auf die von Osten anfliegenden Bomber. Als die ersten Maschinen über der Bergkuppe erschienen, zogen die deutschen Jäger nach oben und feuerten aus allen Rohren. Das Ganze fand in einer Entfernung von etwa drei Kilometern statt. Drei Bomber zeichneten sofort durch starke Rauchschwaden und ich sah die Fallschirme der abgesprungenen Besatzungsmitglieder am Himmel hängen. Erst jetzt suchte ich im Keller Schutz. Als die Sirene Entwarnung gab, lief ich wieder hinaus, wo ich nur 500 Meter entfernt einen kleinen Rauchpilz sah. So schnell ich konnte, rannte ich über die Felder zu der vermuteten Absturzstelle. Dort lag der hintere Teil des Rumpfes einer B17, und im Heck der tote Schütze in der MG-Kanzel. Die restlichen Teile der drei abgeschossenen Maschinen lagen verstreut im Umkreis von drei oder vier Kilometern. Glücklicherweise ist keines auf ein Haus gestürzt.
Im Dezember 1944 kam mein Vater von Wangen zurück nach Isny, als Leiter einer Abteilung von acht Mann. In der Turnhalle der »Truppführerschule 10« des Reichsarbeitsdienstes wurde eine Werkstatt eingerichtet, um Urkörper für die Pilotenkanzel des Bombers »He111« in Tag- und Nachtschicht zu bauen. Wenn Vater Nachtschicht hatte, nahm er mich einige Male mit in die Werkstatt, obwohl das strengstens verboten war. Für mich war es wahnsinnig interessant, ihm und seinen Mitarbeitern einige Stunden lang zuzuschauen. Anscheinend glaubte die Führungsriege des »Dritten Reiches« noch immer an eine Wende des Krieges, sonst hätten sie solche Abteilungen nicht bis zum letzten Moment arbeiten und kontrollieren lassen.