Start in die Selbstständigkeit

Start in die Selbstständigkeit

Als ich von Ferlach nach Isny zurückkehrte, wohnte ich zunächst noch bei meinen Eltern. Ursprünglich hatte ich vorgehabt, in das Waffengeschäft des Vaters meiner Freundin Renate einzutreten. Dass wir heiraten würden, stand für uns bereits fest, so dass ich ihn gleichsam als Schwiegervater in spe ansah.
Zunächst wollte ich aber frei und unabhängig sein und entschied deshalb, mich selbstständig zu machen. Zufällig wurde in der Rainstraße 53 die Baracke der früheren Flieger-HJ frei, in der ich in den Jahren 1942 bis 1944 als »Pimpf« Flugmodelle gebastelt hatte. Mit dem Besitzer, Fürst Paul von Quadt, den ich noch aus der Schule kannte, vereinbarte ich einen akzeptablen Mietpreis. Das Gebäude lag nur 600 Meter von der elterlichen Wohnung entfernt. Diese Strecke konnte ich mit dem einzigen Verkehrsmittel, das mir zur Verfügung stand, einem alten Fahrrad, gut bewältigen. Im Winter bei Schnee schaffte ich es auch zu Fuß.
Das Haus besaß im Eingangsbereich links und rechts jeweils einen kleinen Raum, etwa drei mal drei Meter groß, von denen einer als Büro diente. Die Fensterfront Richtung Neutrauchburg hatte eine Fläche von etwa acht mal zwölf Metern. Die Wände waren schlecht isoliert. Meine erste Investition steckte ich deshalb in einen Ölofen, um beim Einrichten der Werkstatt nicht zu frieren. Der Eingang mit Doppeltüre befand sich auf der Giebelseite.
Zunächst galt es, die Räumlichkeiten in Ordnung zu bringen, sowie die Türen mit neuen Schlössern zu versehen. Ein Holzfußboden, auf Balken verlegt, überspannte den acht Meter hohen Kellerraum, der einst als Eiskeller der Schlossbrauerei gedient hatte. Würde er das Gewicht der vorgesehenen Maschinen und Einrichtungen tragen?

Mein Vater hatte inzwischen eingesehen, dass er mich nach meiner Erkrankung an Narkolepsie etwas zu wenig unterstützt hatte. Er hatte die Enttäuschung darüber, dass ich nicht mehr in seinem Geschäft arbeiten konnte, überwunden und beschloss, mir nunmehr bei der Existenzgründung zu helfen, und überreichte mir 5.000 DM, die er als rückständigen Lohn bezeichnete. Damit, plus 2.000 DM aus eigenen Ersparnissen sowie jeweils 5.000 DM als Kredite von zwei verschiedenen Banken verfügte ich über ein Startkapital von insgesamt 17.000 DM – nicht eben viel. Ich traute dem Fußboden zu, alles auszuhalten, was ich mit dieser Summe anschaffen konnte. (…)